Private Wetterstation Kalkriese

Lat.: 52° 24' 26" Nord • Long.: 8° 04' 41" Ost • Höhe: 57 m ü. NN
Montag, 30. Januar 2023 • 22:06:32 (UTC+1)

Wettervorhersage externer Anbieter



Bodenanalysekarten und Synoptische Übersichten

Luftdruck - Fronten - Wetter

Nordatlantik - Europa Westeuropa
 
Nordatlantik - Europa Westeuropa


Quelle: Deutscher Wetterdienst




SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.01.2023 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Zyklonale Nordwestlage, im Norden, Osten, in Teilen der Mitte und am Alpenrand
zeitweise Sturmböen Bft 8/9.

GLÄTTE/SCHNEE/VERWEHUNGEN:
In den Mittelgebirgen oberhalb etwa 600 m und an den Alpen meist oberhalb 800 m
bis einschließlich Mittwoch leichte Schneefälle, nur in exponierten Staulagen
mehr als 10 cm Neuschnee. Außerdem in den Kamm- und Gipfellagen insbesondere von
Thüringer Wald und Erzgebirge Schneeverwehungen. Dann erst ab der Nacht zum
Donnerstag, am Donnerstag und darüber hinaus an den Alpen wieder kräftigere
Schneefälle. Wahrscheinlich in Staulagen jeweils mit teils deutlich mehr als 20
cm Neuschnee innerhalb von 12 Stunden.

GEWITTER:
Im Norden und in den mittleren Landesteilen einzelne Gewitter mit Graupel und
Sturmböen (Bft 8 bis 9) aus Nordwest. Am Dienstag mit geringer
Wahrscheinlichkeit im Küstenbereich kurze Gewitter, am Mittwoch im Norden, Osten
und in Teilen der Mitte erneut kurze Gewitter, dabei Gefahr von Sturmböen Bft
8/9.

WIND/STURM:
Im Norden, in der Mitte und im Osten stürmische Böen Bft 8 aus West bis
Nordwest, besonders in Schauernähe Sturmböen Bft 9. Im Küstenumfeld sowie im
Bergland Sturmböen (Bft 9, exponiert schwere Sturmböen Bft 10). Auf dem Brocken
und Fichtelberg Orkanböen (Bft 12) aus West bis Nordwest.
Im Südwesten nur im Bergland Böen Bft 8 bis 10 aus West bis Südwest.
In der Nacht zum Dienstag an den Küsten und im Bergland weiterhin Sturmböen Bft
8/9, auf exponierten Gipfeln schwere Sturmböen. In den Niederungen keine
warnrelevanten Böen mehr.
Am Dienstag im Norden und in der Mitte, wieder auffrischender Südwest- bis
Westwind, nachmittags und abends in Schleswig-Holstein und im küstennahen
Binnenland mit stürmischen Böen (Bft 8). Am Mittwoch auch in den mittleren
Gebieten sowie am Alpenrand wieder vermehr stürmische Böen. An den Küsten
häufiger stürmische Böen, im Nordseeumfeld jeweils ab nachmittags auch
Sturmböen. In den Kamm- und Gipfellagen der meisten Mittelgebirge und auch der
Alpen Sturmböen, auf exponierten Gipfeln schwere Sturm- oder orkanartige Böen.
Am Donnerstag in freien Lagen im Nordosten, im Bergland und an den Alpen erneut
Sturmböen Bft 8/9, auf höheren Berggipfeln Gefahr schwerer Sturmböen. Im
Tagesverlauf abgesehen vom Erzgebirgskamm abflauend.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... liegt der Nordosten Deutschlands im Randbereich eines Troges, der
von einem Zentraltief über Finnland ausgeht. Hebung, die durch kurzwellige, nach
Südosten ablaufende Teiltröge induziert wird, löst in der labil geschichteten
maritimen Polarluft kurze Gewitter aus, die mit Sturmböen Bft 8/9 einhergehen
können. Aber auch abseits von Schauern sorgt der kräftige Gradient an der
Südflanke des über Finnland liegenden Zentraltiefs für Wind- und stürmische
Böen, an der See und im Bergland für Sturmböen. In exponierten Kamm- und
Gipfellagen treten schwere Sturmböen bis hin zum Böen von Orkanstärke (Brocken,
Fichtelberg) auf. Im Süden sind Sturmböen Bft 8/9 auf höhere Berglagen und auf
den Alpenrand (Leitplankeneffekt) beschränkt.
Von Westen und Südwesten her setzt im Bereich eines flachen Höhenrückens und
gestützt durch kräftige Warmluftadvektion rasch Stabilisierung ein, die in der
Nacht zum Dienstag dann auch die östlichen Landesteile erfasst. Dies macht sich
in einem Nachlassen der Böigkeit bemerkbar. Zudem wird der Gradient
auseinandergezogen, so dass ab der zweiten Nachthälfte in tieferen Lagen abseits
der Küste keine warnrelevanten Böen mehr auftreten sollten. An der Küste sind
jedoch weiterhin Wind- und stürmische Böen, im östlichen Bergland Sturmböen Bft
8/9 und dort auf exponierten Berggipfeln schwere Sturmböen zu erwarten.
Leichter Frost sollte auf höhere Berglagen, den äußersten Südwesten und den
Alpenrand beschränkt bleiben.
In den Mittelgebirgen und an den Alpen in Lagen über 600 m treten diese Schauer
in fester Phase auf. Meist reicht es nur für wenige Zentimeter Neuschnee, in
Staulagen können 10 bis 20 cm Neuschnee zusammenkommen. Allerdings können in den
Hochlagen der östlichen Mittelgebirge oberhalb von etwa 800 m Schneeverwehungen
auftreten. Eine entsprechende Warnung ist aktiv.

Dienstag ... nähert sich in der relativ zonal ausgerichteten, von Neufundland
bis nach Mitteleuropa verlaufenden Frontalzone ein weiterer Kurzwellentrog.
Dieser überläuft ein flaches, über die Faröer hinweg ziehendes Randtief, wodurch
dieses sich nicht wesentlich intensivieren kann und als Bodentrog auf
Südschweden übergreift. Das Frontensystem dieses einstigen Randtiefs erfasst das
Vorhersagegebiet, wodurch vom Norden über die Mitte Deutschlands hinweg
übergreifend erneut Niederschläge einhergehen. Im Bereich des sich allmählich
schließenden Warmsektors steigt die Schneefallgrenze in den nördlichen und
westlichen Mittelgebirgen vorübergehend auf 800 bis 1000 m, um bis zum Abend
wieder auf etwa 600 m abzusinken. In den östlichen Mittelgebirgen liegt die
Schneefallgrenze durchweg bei 400 bis 600, an den Alpen bei etwa 600 bis 800 m.
Meist reicht es jedoch nur für wenige, in Staulagen für Neuschneehöhen um 5 cm.
Im Südwesten und an den Alpen macht sich noch leichter antizyklonaler Einfluss
bemerkbar, der aus einem am Alpenrand liegenden Bodenhochkeil resultiert.
Abgesehen vom östlichen Alpenrand bleibt es dort weitgehend niederschlagsfrei.
In diesen Gebieten sind auch Auflockerungen am wahrscheinlichsten. Ansonsten
hält sich meist geschlossene mehrschichtige Bewölkung.
Mit dem Übergreifen des Frontensystems zieht der Gradient an, so dass in der
zweiten Tageshälfte der Wind auffrischt. Allerdings mit Böen, die um ca. 1 Bft
unter den heutigen Windspitzen liegen, d.h. Windböen sind auf den Norden und die
Mitte und dort vor allem die Leelagen beschränkt. An der Küste und in den
Hochlagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge besteht die Gefahr von
Sturmböen Bft 8/9, auf exponierten Berggipfeln sind schwere Sturm- oder
orkanartige Böen nicht auszuschließen. Hierdurch können dann im Thüringer Wald
und Erzgebirge weiterhin Verwehungen zustande kommen. Zudem sind ganz im Norden
zum Abend hin einzelne kurze Gewitter nicht auszuschließen, die mit Sturmböen
einhergehen können.
Während im Norden, Westen und in Rheinnähe ein Temperaturanstieg auf 5 bis 8
Grad erfolgt, kann ansonsten bei Höchsttemperaturen zwischen 0 Grad im höheren
Bergland und 2 bis 5 Grad in tieferen Lagen die Milderung noch nicht so recht
durchgreifen.

In der Nacht zum Mittwoch folgt dem Kurzwellentrog nach kurzer und nur leichter
Wetterberuhigung ein weiterer Trog, wodurch ausgangs der Nacht in Nordseenähe
kurze Gewitter aufziehen können. Daher ist die Windabnahme im Binnenland nur
vorübergehend, d.h. Windböen treten im Norden und in der Mitte Deutschlands
nicht mehr so verbreitet auf wie tagsüber; meist sind derartige Böen auf das
küstennahe Binnenland beschränkt. An der Küste und im Bergland muss jedoch
weiterhin mit stürmischen Böen, in exponierten Küstenlagen, über der offenen See
sowie auf höheren Berggipfeln mit Sturmböen Bft 9 gerechnet werden.
Mit der nach Süden vordringenden Kaltfront konzentrieren sich die Schneefälle
bei nahezu unveränderter Schneefallgrenze auf den Bayerischen Wald und den
Alpenrand, wo in Staulagen 5 bis 10 cm Neuschnee hinzukommen können. Im
Erzgebirge und im Thüringer Wald reicht es nur für wenige Zentimeter Neuschnee,
wobei die Wahrscheinlichkeit für Verwehungen geringer wird als bisher.
Abgesehen von höheren Berglagen bleibt es ansonsten durchweg frostfrei.

Mittwoch ... erfasst von der Nordsee kommend ein weiterer Trog das
Vorhersagegebiet und regeneriert den über Osteuropa liegenden Langwellentrog.
Hierdurch ergibt sich über Mitteleuropa eine aufsteilende nordwestliche und
zyklonal geprägte Strömung. Abgesehen vom Südwesten und vom äußersten Westen
setzt sich erneut labil geschichtete Luft durch, so dass zum Teil wiederholt
kurze Gewitter auftreten können. Grob gesagt ähnelt das Szenario der heutigen
Situation. In Verbindung mit Gewittern können Sturmböen auftreten, der Oberwind,
der im 850 hPa-Niveau 50 bis 55 kt erreicht, ergibt sogar ein Potential für
schwere Sturmböen. Bedingt durch die kräftige Scherung, die in den untersten
1000 m bis über 20 m/s und hochreichend bis etwa 40 m/s beträgt, sind auch
organisiertere und zumindest staffelartige konvektive Strukturen vorstellbar.
Das mit dem Trog korrespondierende kräftige Bodentief wird über den Skagerrak
hinweg nach Südschweden gesteuert und füllt sich nur sehr zögernd auf.
Hinsichtlich der Zugbahn und Positionierung dieses Tiefs bestehen noch
signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen, wobei die Ergebnisse
auch von Modelllauf zu Modelllauf variieren. Die Position dieses Tiefs
Mittwochabend variiert zwischen der nördlichen Nordsee vor der Südspitze
Norwegens (GFS) und dem südlichen Kattegat unmittelbar nördlich der dänischen
Inseln (ICON), was weit jenseits der üblichen Unschärfe der Vorhersagen ist.
Demzufolge ist die Windentwicklung noch mit Unsicherheiten behaftet.
So lässt sich bisher nur herausarbeiten, dass an der Südflanke dieses Tiefs eine
erneute Gradientzunahme erfolgt, wodurch im Norden und in der Mitte Deutschlands
auch abseits der Küste und der Mittelgebirge stürmische Böen zustande kommen. An
der Nordsee und im Bergland sind Böen bis Sturmstärke, in exponierten Kamm und
Gipfellagen schwere Sturmböen (Brocken darüber) zu erwarten. Im Süden ist
dagegen die Windzunahme nicht so ausgeprägt, dort sind Windböen auf freie Lagen
und Sturmböen Bft 8/9 auf höhere Berggipfel beschränkt.
Durch wiederholte Schneeschauer, im Bergland teils schauerartigen Schneefall,
kommen oberhalb etwa 600 bis 800 m (am Alpenrand, aber auch dort mit tendenziell
absinkender Schneefallgrenze) einige, in Staulagen 5 bis über 10 cm Neuschnee
hinzu. In freien Kammlagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge besteht
dann wieder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Verwehungen.
Ein paar Wolkenlücken kommen aufgrund der kräftigen Durchmischung allenfalls in
Nordseenähe sowie in den Leegebieten einiger Mittelgebirge zustande. Ansonsten
hält sich mehrschichtige und weitgehend geschlossene Bewölkung. Die
Tageshöchsttemperaturen erreichen deutschlandweit 3 bis 8, in den Kammlagen der
Mittelgebirge Werte um 0 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag erfolgt ein weiteres Aufsteilen der zyklonalen
nordwestlichen Strömung. Der o.g. Kurzwellentrog wird in dem über Osteuropa
liegenden Trog einbezogen, überläuft dabei das korrespondierende Bodentief, das
sich bis Donnerstagfrüh Vorpommern streifend, nach Nordwestpolen verlagert.
Demzufolge flaut nur im Binnenland der Wind ab, Böen Bft 7 treten aber nach wie
vor in den Leegebieten der Mittelgebirge sowie im küstennahen Binnenland auf. An
der See und im Bergland muss weiterhin mit Sturmböen Bft 8/9 gerechnet werden,
in exponierten Kamm- und Gipfellagen der östlichen Mittelgebirge sowie in
Hochlagen der Alpen sind auch schwere Sturmböen (Fichtelberg und exponierte
Alpengipfel darüber) vorstellbar. Mit der Verlagerung des Bodentiefs nach
Nordwestpolen werden in der zweiten Nachthälfte dann auch wieder bis weit ins
nordöstliche Binnenland hinein Windböen wahrscheinlicher.
Aufgrund der Nähe zum Trog erfolgt nur im äußersten Westen eine leichte
Stabilisierung, wobei etwas Warmluftadvektion stützend wirkt. In den anderen
Gebieten bleibt die labile Schichtung bestehen, so dass weitere schauerartige
Niederschläge zu erwarten sind, die oberhalb etwa 400 m, in den südwestdeutschen
Mittelgebirgen in Lagen über 600 bis 800 m als Schnee fallen. Bedingt durch das
Aufsteilen der Strömung ergibt sich eine ausgeprägte Stausituation, so das in
den östlichen Mittelgebirgen und auch am Alpenrand länger andauernder und
schauerartig verstärkter Schneefall in Gang kommt. In den östlichen
Mittelgebirgen sind dann 10 bis 15, in Staulagen bis über 20 cm Neuschnee zu
erwarten, wobei dann wieder verstärkt mit Verwehungen gerechnet werden muss. In
den Hochlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge sind dann bis 10, am Alpenrand
und dort vor allem im Allgäu und am östlichen Alpenrand 15 bis 25 cm Neuschnee
innerhalb von 12 Stunden zu erwarten. Für den Alpenrand würde sich eine länger
laufende Schneefallwarnung (ggf. sogar Unwetter) anbieten, da dort dieses
Ereignis bis über den Donnerstag hinaus andauert.
Wie bereits in den Nächten zuvor ist leichter Frost auf höhere Berglagen
beschränkt.

Donnerstag ... weitet sich, ausgehend von einem Höhenhoch westlich der Biskaya,
ein breiter Rücken nach Westeuropa aus. Warmluftadvektion, die in Verbindung mit
der auf Deutschland übergreifenden Warmfront eines Tiefs bei Island steht,
bewirkt auch über Mitteleuropa Geopotentialgewinn. Zudem erfolgt landesweit
Stabilisierung, so dass die Niederschläge dann eher einen skaligen Charakter
annehmen.
Das Hereindrücken des Höhenrückens lässt die Strömung noch etwas aufsteilen und
auf Nord-Nordwest drehen. Hierdurch dauert die Stausituation an den Alpen
unverändert an, wo weitere 10 bis 20, in ausgewiesenen Staulagen (Allgäu,
östlicher Alpenrand) auch bis über 25 cm innerhalb von 12 Stunden hinzukommen
können. Ein schwacher, nach Süden ablaufender Bodenhochkeil sorgt für ein
Nachlassen der Niederschläge in den Mittelgebirgen, meist kommen dort nur noch
wenige, im Erzgebirge auch mehr als 5 cm Neuschnee hinzu. Nach wie vor bleibt
aber in den östlichen Mittelgebirgen die Gefahr von Verwehungen bestehen.
Durch den vom Bodenhoch über der Biskaya ausgehenden und am Alpennordrand nach
Osten vorstoßenden Bodenhochkeil weicht der Gradient nur allmählich auf. Der von
dem zunächst über Nordwestpolen liegenden Tief ausgehende Bodentrog schwenkt
über den Osten Deutschlands hinweg südostwärts. Hierdurch sind bis in den
Vormittag hinein an der Küste und in den Leegebieten der nördlichen und
östlichen Mittelgebirge noch stürmische Böen und bis weit ins nördliche und
östliche Binnenland hinein sowie zum Teil auch in den mittleren Gebieten
Windböen zu erwarten. In den Kamm- und Gipfellagen der nördlichen und östlichen
Mittelgebirge sowie auf Alpengipfeln gibt es Sturm- und schwere Sturmböen. In
den Gipfellagen der südwestdeutschen Mittelgebirge sind in der ersten
Tageshälfte noch stürmische Böen vorstellbar, danach flaut dort der Wind alsbald
ab. Bis zum Abend ist dies auch weitgehend in den anderen Gebieten der Fall,
warnrelevante Böen (dort aber immerhin bis Sturmstärke) treten dann nur noch auf
dem Erzgebirgskamm sowie in den Gipfellagen der Alpen auf.
Gegenüber den Vortagen erfolgt keine wesentliche Temperaturänderung.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten. Auf die Unsicherheiten in Bezug auf das am Mittwoch vom
Skagerrak südostwärts ziehende Bodentief ist bereits weiter oben hingewiesen
wurden.
Die staubedingt ab der Nacht zum Donnerstag beginnenden und vor allem am
Alpenrand lange andauernden Schneefälle lassen sich anhand aller verfügbarer
Modelle ableiten.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann



S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.01.2023 um 10.30 UTC



GWL: NWz
Meist nasskaltes und zeitweise stürmisches Wetter - am Wochenende wohl nur kurz
beruhigend. Im Bergland teils winterlich, an den Alpen Do/Fr intensive
Schneefälle (UNWETTER).
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 06.02.2023


Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag setzt sich die Nordwestlage fort.
Deutschland befindet sich zwischen einem umfangreichen Trog über Ost- und
Nordosteuropa und einem Rücken, der vom nahen Nordostatlantik über die
Britischen Inseln zu Nordsee und zum Nordmeer schwenkt. Ein südostwärts
durchziehender Kurzwellentrog sorgt für zyklonale Verhältnisse. Das damit
korrespondierende, kleine Randtief zieht von Jütland her kommend über die
westliche Ostsee nach Polen. Die zugehörige teil-okkludierte Front erreicht den
Alpenrand, geht dann aber in die Warmfront des nächsten Tiefs bei Island über,
die schließlich den Südwesten und Westen des Landes erreicht. Folglich gibt es
in der Südwesthälfte länger anhaltende Niederschläge, während es sonst
wechselhaftes Schauerwetter gibt. In der gut durchmischten Subpolarluft mit
850-hPa-Temperaturen zwischen -3 Grad im Südwesten und -7 Grad im Nordosten ist
vor allem im höheren Bergland ab 400 bis 600 m mit Schnee zu rechnen.
Nennenswerten Neuschnee von mehr als 10 cm gibt es am ehesten im Schwarzwald
sowie in Staulagen der östlichen Mittelgebirge. An den Alpen kommt eine markante
Stausituation in Gang, die bis in den Freitag hinein anhält. Neuschneemengen
zwischen 20 und 40 cm innerhalb von 36 bis 48 Stunden sind wahrscheinlich, in
höhergelegenen Staulagen sind bis 80 cm Neuschnee möglich (UNWETTER!). Das
Sturmfeld des Randtiefs bringt der Osthälfte und mit Leitplankeneffekt auch dem
Alpenvorland anfangs noch stürmische Böen und Sturmböen, der Ostsee schwere
Sturmböen. Damit sind bei lockerer Neuschneedecke in Kammlagen der Mittelgebirge
und eventuell auch im höheren Alpenvorland Schneeverwehungen zu erwarten.

In der Nacht zum Freitag und am Freitag schwenkt der Rücken nach Mitteleuropa
und konturiert die Nordwestströmung antizyklonal, im Bodenfeld weitet sich das
Hoch über Westeuropa keilförmig nach Südwestdeutschland aus. Die Warmfront zieht
mit zeitweiligen Niederschlägen ostwärts. Im Südosten ist anfangs noch etwas
Schnee bis in tiefe Lagen möglich, mit Vorstoß milderer Luft von Westen (T850
auf -2 bis +2 Grad ansteigend) steigt die Schneefallgrenze aber zügig an auf 800
bis 1200 m. Beim Phasenübergang ist dort wo in der Nacht oder aus der Nacht
heraus noch Frost auftritt, örtlich Glatteis nicht auszuschließen. Mit dem von
Westen zunehmenden antizyklonalen Einfluss lassen die Niederschläge im
Tagesverlauf nach, auch am Alpenrand klingt die Staulage hinter der abziehenden
Warmfront von West nach Ost zögerlich ab.

Am Samstag bleibt Deutschland unter einer im wesentlichen antizyklonal
konturierten nordwestlichen Höhenströmung. Vorderseitig eines zum Nordmeer
schwenkenden Kurzwellentroges kommt es zu einer Sturmtiefentwicklung. Zwischen
diesem Tief und dem weiterhin über Süddeutschland befindlichen Keil verbleiben
wir im Zustrom wolkenreicher erwärmter Meeresluft, aus der es auch gebietsweise
nieselt.

Am Sonntag zieht der Trog unter Amplifizierung über die Nordsee und
Südskandinavien ins östliche Mitteleuropa. Das zugehörige Sturmtief verlagert
seinen Kern über das mittlere Skandinavien zum Baltikum. Das damit verbundene
teil-okkludierte Frontensystem zieht zügig südwärts über Deutschland hinweg,
dahinter setzt sich wieder kältere, maritime Polarluft durch (T850 -5 bis -8
Grad). Die frontalen Niederschläge fallen wohl nur in Hochlagen als Schnee, in
den nachfolgenden Schauern sinkt die Schneefallgrenze dann aber wieder bis in
tiefere Lagen ab. Das Sturmfeld des Tiefs streift vor allem die Nordosthälfte,
dort sind Sturmböen wahrscheinlich, im Bergland und an der See auch schwere
Sturmböen.

Am Montag stellt sich nach IFS-Lesart zwischen dem über Osteuropa weit nach
Süden vorstoßenden Trog und einem sich zeitgleich über Westeuropa weit nach
Norden aufwölbenden Rücken eine Nordströmung ein, die insbesondere in der
Osthälfte zyklonal konturiert ist. Vor allem dort setzt sich das windige bis
stürmische Schauerwetter demnach fort, oft fällt Schnee bis in tiefere Lagen
(T850 an der Oder bis auf -10 Grad absinkend). Markante Neuschneemengen von mehr
als 10 cm sind in Nordstaulagen der östlichen Mittelgebirge und an den Alpen
möglich, inklusive etwaiger Verwehungen. In der Westhälfte macht sich dagegen
der Einfluss des Hochs über Westeuropa bemerkbar, sodass sich das Wetter dort
etwas ruhiger gestaltet.

In der erweiterten Mittelfrist soll der Rücken nach Mitteleuropa schwenken und
zunächst für eine generelle Wetterberuhigung sorgen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Zu Beginn der Mittelfrist kann die Konsistenz der IFS-Simulationen noch als
einigermaßen gut bezeichnet werden. Die großräumigen Strukturen - und damit ist
vor allem das Geopotenzialfeld gemeint - sehen sehr ähnlich aus. Alle Läufe
rechnen eine Nordwestlage, die bis Freitag zunächst zyklonal daherkommt. Im
Hinblick auf das kleine Randtief am Donnerstag gibt es natürlich noch ein paar
Unschärfen, aber ohne, dass grundsätzlich verschiedene Szenarien angeboten
werden.
Ab dem Wochenende beginnen die verschiedenen Szenarien etwas stärker auseinander
zu laufen. Der neuerliche, recht kräftige Trogvorstoß am Sonntag wurde das erste
Mal vom gestrigen IFS-12Z-Lauf berechnet. Der gestrige IFS-00Z-Lauf hatte das in
der Form noch nicht auf der Agenda und simulierte die sich von Westen her
andeutende, leichte Wetterberuhigung in Form einer Hochdruckrandlage noch etwas
nachhaltiger.
In der nächsten Woche sollte sich der Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa nach
Lesart des gestrigen 00Z-Laufes sogar noch verstärken, was in gewissem Gegensatz
zu der zunächst eher kalten Nord-/Nordwestlage der beiden Nachfolger steht.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Gegensatz zu IFS und GFS, die am Freitag und Samstag sich von Westen
durchsetzenden, schwachen Zwischenhocheinfluss rechnen, soll nach ICON und UK10
die Nordosthälfte am Freitag nochmal von einem Kurzwellentrog gestreift werden.
Dabei entwickelt sich im Lee des Skandinavischen Gebirges ein Teiltief, dessen
Sturmfeld auch auf den Nordosten des Landes übergreift. Damit einher ginge auch
wieder eine rege Niederschlagstätigkeit, die an den Alpen in eine weitere
markante Schneefalllage münden könnte.
Am Wochenende stützt ICON mit wenigen Abstrichen das IFS-Szenario mit einem
recht kräftigen Trogvorstoß zum Sonntag. Bei GFS und UK10 wird der Trog viel
flacher simuliert und streift den Nordosten lediglich, während sich in der
Südwesthälfte der schwacher Hochdruckeinfluss fortsetzt.
Zu Beginn der kommenden Woche haben sowohl ICON als auch GFS die von IFS seit
gestern ins Portfolio aufgenommene Nord-/Nordwestlage ebenfalls auf der Agenda,
allerdings weitaus weniger zyklonal als IFS.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Zumindest bis Samstag bestätigen die Ensembles des IFS das Szenario des
deterministischen Laufes. Dabei sind die Rauchfahnen ziemlich eng gebündelt,
wobei bei der Temperatur ein leichter, beim Geopotenzial ein recht deutlicher
Anstieg zu verzeichnet ist (nach Trogpassage am Donnerstag zunehmender
antizyklonaler Einfluss und Vorstoß milderer Luft). Eine Einschränkung gibt es
aber: Im Nordosten weiten sich die Rauchfahnen am Freitag vorübergehend stärker
auf. Wenige Member zeigen Freitag/Samstag nochmal ein leichtes Absacken des
Geopotenzials und eine verzögerte/abgeschwächte Erwärmung (stärkerer
Trogeinfluss). Schaut man sich die räumliche Verteilung des Spread des
Luftdrucks an, fällt ein deutliches Maximum mit 8 bis 12 hPa über der mittleren
Ostsee auf (-> mögliche Teiltiefentwicklung und Sturmpotenzial). Es ist also
durchaus noch möglich, wenngleich wenig wahrscheinlich, dass sich das
ICON-/UK10-Szeanrio für den Nordosten bewahrheitet.
Ab Sonntag, vor allem aber zu Beginn der kommenden Woche lässt sich generell
eine deutlich stärkere Volatilität zwischen den einzelnen Ensembleberechnungen
verzeichnen. Sowohl der deterministische Lauf, als auch der Kontrolllauf
befinden sich mit ihrem recht deutlichen Temperatur- und Geopotenzialrückgang
zum Montag am unteren Ende der Verteilung. Nicht wenige Member rechnen einen
deutlich entschärften oder gar keinen Temperatur- und Geopotenzialrückgang. Die
vom deterministischen Lauf avisierte und oben beschriebene kalte und vor allem
nach Osten zu unbeständige Nord-/Nordwestlage ist also alles andere als sicher.


CLUSTER:

+72-96 h: 6 Cluster - 6x ATR (Atlantic Ridge)

+120-168 h: 3 Cluster - 3x BLOCKING -> NAO+ -> ATR
C1 (21/51 Member, inkl. det. Lauf und Kontrolllauf) zeigt den kräftigen
Trogvorstoß am Sonntag/Montag), C2 und C3 (20/51) zeigen den Trogvorstoß
abgeschwächt und östlicher mit stärkerem antizyklonalem Einfluss im Südwesten.

FAZIT:

Nach einem unbeständigen, teils stürmischen und vor allem an den Alpen sehr
schneereichen Start in die Mittelfrist, deutet sich zum Wochenende zunächst eine
leichte Wetterberuhigung an. In der Südwesthälfte ist diese recht sicher, in der
Nordosthälfte könnte sich am Freitag nochmal ein Trogstreifschuss mit nasskaltem
und stürmischem Wetter bemerkbar machen (an den Alpen markante Schneefälle). Ab
Sonntag wird die Vorhersage sehr unsicher. Ein neuerlicher Trogvorstoß nebst
unbeständigem Wetter und erneut zunehmendem Sturmpotenzial ist nach aktuellem
Stand ein klein wenig wahrscheinlicher als eine Fortdauer oder gar Verstärkung
des Hochdruckeinflusses.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


STURM:
Am Donnerstag in der Osthälfte und im Alpenvorland anfangs stürmische Böen (Bft
8) wahrscheinlich, an den Küsten sowie im oberen Bergland Sturm- oder schwere
Sturmböen (Bft 9-10), auf Gipfeln orkanartige Böen (Bft 11), im Tagesverlauf
nachlassend.
Am Freitag in der Nordosthälfte Sturmlage nicht ganz ausgeschlossen.
Am Samstag vorübergehend nur noch im Bergland Sturmböen möglich.
Am Sonntag vor allem in der Nordosthälfte sowie generell an der See wieder
zunehmendes Sturmpotenzial.

SCHNEE/-VERWEHUNGEN:
Am Donnerstag und Freitag Fortdauer und Intensivierung der Stausituation an den
Alpen: Neuschneemengen zwischen 20 und 40 cm innerhalb von 36 bis 48 Stunden
wahrscheinlich, in hochgelegenen, prädestinierten Staulagen Mengen bis 80 cm
möglich (UNWETTER). In den Nordstaulagen der östlichen Mittelgebirge sowie im
Schwarzwald bevorzugt ab rund 600 m markante Neuschneemengen um oder über 10 cm
gering wahrscheinlich. In Kammlagen sowie im höheren Alpenvorland zudem
Schneeverwehungen nicht ausgeschlossen.
Am Samstag an den Alpen erneut markante Neuschneemengen zwischen 10 und 20 cm
gering wahrscheinlich.

GLATTEIS:
In der Nacht zum Freitag bis Freitagvormittag mit einer ostwärts durchziehenden
Warmfront örtliches Glatteis nicht ausgeschlossen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
Bis Samstag IFS - der Trogstreifschuss am Freitag/Samstag wird folglich erst
einmal ausgeklammert.
Ab Sonntag Mittelding zwischen IFS, ICON und GFS (Nord-/Nordwestlage ja, aber
mit entschärfter Zyklonalität).
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser


Quelle: Deutscher Wetterdienst